zum Abschluß: Fahrradkorso, Erinnerungslauf und mehr

Die Abschlußveranstaltung der Erinnerungswoche „Schlaf, Kindlein, schlaf, …“ ist mehrteilig auf den Tag und auf verschiedene Örtlichkeiten verteilt.

Beginn ist in Flacht, Krs. Böblingen, mit einer Erinnerung an Gerda Metzger durch das Heimatmuseum ihrer Herkunftsgemeinde. Gerda wurde 1939 in Flacht geboren und lebte dort mit ihrer Mutter. Der Vater fiel schon am Beginn des Krieges. Im Juli 1943 wurde Gerda gegen den Willen ihrer Mutter in die Stuttgarter Kinderklinik verbracht und von Ärzten umgebracht. Gerda entsprach wegen ihrer körperlichen Behinderung nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild, was ihr Todesurteil war.

Ein Fahrradkorso, organisiert von den Naturfreunden Fahrradgruppe Stuttgart, bringt ein Gedenklicht über Rutesheim, Leonberg, Gerlingen, Weilimdorf zum ehemaligen Standort der Stuttgarter Kinderklinik, Türlenstraße 22 ( 31 KM, etwa 3 Std Fahrtzeit). 

Am Ort der Stuttgarter Vernichtungsanstalt für Kinder wird die Zukunftswerkstatt Zuffenhausen über die Verbrechen der NS-Kindereuthanasie in der Stuttgarter Kinderklinik informieren, musikalisch wird sie von der Flötengruppe der Karl-Schubert-Werkstatt und lyrisch von der Theaterschachtel Neuhausen begleitet. Zum Abschluß wird das Gedenklicht vom Fahrradkorso an eine Gruppe von Erinnerungsläufern übergeben.

Erinnerungsläufer , Menschen ohne und mit Beeinträchtigungen, bringen das Gedenklicht zum zweiten Stuttgarter NS-Unort in die Hohe Straße 28. Dort befand sich das städtische Gesundheitsamt. Im Rahmen der Volkshygiene oblag dem Gesundheitsamt die Selektion von Kindern, die nicht dem nationalsozialistischen Menschenbild entsprachen. Die Eltern der auserwählten Kinder wurden mit einem Heilsversprechen die Zustimmung für eine Einweisung in eine Kinderfachabteilung erpresst, worauf vom Gesundheitsamt die Verlegung der Kinder für ihre Ermordung organisiert wurde. Der AWO-Stadtbezirk Botnang und die Initiative Stolperstein Botnang werden zu diesem NS-Unort berichten; musikalische Umrahmung Markus Ege, Akkordeon.

Weiter laufen die Erinnerungsläufer zum Rathaus. Dort wurde der Impuls vom Innenministerium Württemberg für die Einrichtung einer Kinderfachabteilung zur Vernichtung von lebensunwertem Leben aufgenommen. Die städtische Kinderklinik wurde mit ihrem Leiter, Obermedizinalrat Dr. Med. Karl Lempp, zur Verfügung gestellt und der Betrieb der Vernichtungsanstalt betrieben. Studenten der Freien Hochschule Stuttgart / Seminar für Waldorfpädagogik werden über diesen NS-Unort berichten.

Der vierte Stuttgarter NS-Unort liegt im DorotheenQuartier.Es ist heute ein Viertel für den gehobenen Konsum der Firma Breuninger. Die Dorotheenstraße 6 war Standort vom Innenministerium Württemberg, der lokalen Planungs- und Umsetzungsinstanz für die NS-Euthanasie. Hier saßen die Schreibtischmörder. Akademiker mit Schlips und weißen Kragen, die verantwortlich für die Ermordung von über 10.600 Menschen aller Altersgruppen waren. Die Naturfreunde Radgruppe Stuttgart wird dazu informieren, musikalische Begleitung von Markus Ege, Akkordeon, und die Erinnerungsläufer zu ihrem Abschlußlauf mit dem Gedenklicht in das Stadtmuseum verabschieden.

Die Erinnerungsläufer werden von einer Fahrrad-Rikscha (Bürger-Rikschaf Vaihingen e.V.) als „Besenwagen“ begleitet. Das DRK Stuttgart, Jugendrotkreuz, stellt sichert mit einem Sanitätsdienst den Erinnerungslauf.

Im Stadtmuseum wird vom vom ZentrumSelbstbestimmtLeben das Gedenklicht von den Erinnerungsläufen übernommen. Das ZentrumSelbstbestimmtLeben wird eine abschließende Erinnerungsveranstaltung gestalten, musikalisch von der Flötengruppe der Karl-Schubert-Werkstatt begleitet.

Im Anschluß wandert das Gedenklicht für eine ökumenische Gedenkandacht an die beteiligten Kirchengemeinden – evangelische Gemeinde S-Hoffeld, kath. Gemeinde NN. Mit einem spirituellem Abschluß endet dann die Erinnerungswoche „Schlaf, Kindlein, schlaf, …“