ein unpassender Titel und eine unmögliche Gestaltung der Erinnerungswoche

<p class="Normal"><em><span class="tm6">„Schlaf, Kindlein, schlaf, ...“</span></em><span class="tm5"> wurde als deplatziert für den Titel der </span><em><span class="tm6">Erinnerungswoche</span></em><span class="tm5"> kritisiert. Schließlich wird dieses alte deutsche Kinderlied auch heute noch von vielen Eltern und Großeltern gesungen, um Kinder wohlig in den Schlaf zu singen. </span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">Dieses Lied, das Sicherheit, Gehaltensein und Geborgenheit vermittelt, für eine </span><em><span class="tm6">Erinnungswoche</span></em><span class="tm5"> zur Barbarei des NS-Staates und seiner medizinischen Einrichtungen zu nutzen, beeinträchtige das Kinderlied. Zu Gunsten einer effektheischenden Namensgebung der </span><em><span class="tm6">Erinnerungswoche</span></em><span class="tm5"> werde das Lied mißbraucht.</span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">Es ist richtig: das Kinderlied hat die besondere Fähigkeit, dem Kind eine Atmosphäre zu geben, wo es sich geborgen, gehalten und sicher fühlen kann. Auch der Arzt, das Krankenhaus und die Medizin vermitteln in ihrem Ansehen und ihrer Tätigkeit den Ruf, für die Menschen da zu sein, ihnen Hilfe zu geben und für Sie zu sorgen. Dagegen die Realität der NS-Kindereuthanasie: der Arzt wurde Mörder, die Kinderklinik war Tatort zur Vernichtung lebensunwerten Lebens und Eltern wurden von Medizinern mit medizinischen Heilserwartungen getäuscht und belogen. Die medizinische Anweisung „Behandlung empfohlen“ war die Metapher für die Anweisung zum Kindermord.</span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">„Schlaf, Kindlein, schlaf, ...“ als Namen der Erinnerungswoche nimmt den Widerspruch zwischen Realität und dem Schein auf. Einerseits in einem Rückblick und andererseits auch als Aufforderung zur kritischen Wahrnehmung unserer gegenwärtigen Sicht der Welt. Vielleicht ist sie doch nicht so harmonisch und es finden sich auch hier Widersprüchlichkeiten, wenn man nur etwas genauer hinsieht.</span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">Widersprüchlichkeiten hin oder her - ein Kind braucht dies nicht, es benötigt Liebe, Sicherheit, Geborgenheit und Gehaltensein in seiner ersten Phase im Kontakt mit der Welt. „Schlaf, Kindlein, schlaf, ....“ kann dies in besonderer Weise dem Kind geben. Deshalb hat das Lied weiter eine Berechtigung!</span></p>

<hr />

<p class="Normal"><span class="tm5">Gemeinhein haben Erinnerungsveranstaltungen zu den Greueln der NS-Gewaltherrschaft ein Muster: exponierte Sprecher - wohltemperierte Ansprachen mit hohen moralischen Ansprüchen - klassische Musik zur Umrahmung - eine Schulklasse als Vertreter der jungen Generation - Zwangsgäste aus ihrer Stellung oder Funktion heraus - und die immergleichen interessierten freiwilligen Zuhörer.</span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">„Schlaf, Kindlein, schlaf, ...“ möchte neue Wege gehen: weg von Ansprachen als Fensterreden, weg von Zwangsgästen oder den immergleichen Interessierten, weg von irrealen moralischen </span><strong><span class="tm7">Absichten</span></strong><span class="tm5"> - stattdessen Suche nach neuen Formen: </span></p>

<p class="Normal tm8"><span class="tm9">· </span><span class="tm5">musisch mit Bilderausstellung, Theater, Tanz, Musik und Film</span></p>

<p class="Normal tm8"><span class="tm9">· </span><span class="tm5">intellektuell mit Gesprächsforen statt Vorträgen, die thematisch nicht nur zurück, sondern auch in die Gegenwart blicken</span></p>

<p class="Normal tm8"><span class="tm9">· </span><span class="tm5">körperlich mit einem Radkorso und Erinnerungslauf zu Stuttgarter NS-Unorten</span></p>

<p class="Normal tm8"><span class="tm9">· </span><span class="tm5">mit der Beteiligung von Profis und Laien, Jung &amp; Alt sowie Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen</span></p>

<p class="Normal tm8"><span class="tm9">· </span><span class="tm5">dem Versuch Teilnahmebarrieren mit besonderen Angeboten und Gebärdendolmetschern ab zu bauen</span></p>

<p class="Normal"><span class="tm5">Weil dazu ein Tag nicht ausreichte, entwickelt sich die Veranstaltung zu einer <em>Erinnerungswoche</em> mit der Hoffnung, viele Menschen ansprechen zu können und die geschichtliche Thematik in die Öffentlichkeit zu bringen.</span></p>

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